Sülztalböcke Immekeppel
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446 km in 14 Stunden
Köln - Worms und zurück
Impressionen eines DFB-Pokalspiel

Am Dienstag, den 30.10.2012 traf der 1. FC Köln in der zweiten Runde des DFB-Pokals auf den VfR Wormatia Worms. Die EWR-Arena ist nicht die Allergrößte und beinhaltet lediglich 6.703 Plätze. Das Gästekontingent umfasste 750 Eintrittskarten, von denen 500 Karten direkt an die Auswärtsdauerkarteninhaber weitergegeben wurden. Leider (aber auch korrekt) kein freier Kartenvorverkauf - die restlichen 250 Karten wurden unter den Fans verlost, die die Geißböcke beim Auswärtsspiel im 515 km entfernten Aue unterstützt hatten.

 

Zu den Auswärtsdauerkarteninhaber gehört auch der 1. FC Köln Fanclub "Kölsche Mythos", der zu jedem Auswärtsspiel eine feste Anzahl Karten abonniert hat. Der Fanclub entstand in seiner heutigen Form am 16.09.2007 durch die Fusion der „Cosmoböcke Köln“ (gegründet 2005) und des "Kölsche Mythos" (gegründet 20.03.2006). Er zählt zu den Fanclubs, die mit ihrem Engagement die aktive Fanszene bereichern und unverzichtbarer Teil der FC-Fangemeinde sind. Der Club begleitet die Geißböcke zu jedem Auswärtsspiel, quer durch die Republik. Gefahren wird mit einem eigenen Bus, genannt "Matthes", in dem 48 FC-Verrückte Platz finden.

 

Hohe Wellen schlug im Jahr 2008 der Diebstahl des Busses, der sich aber nachträglich als Pfändung einer Bank herausstellte. 2012 endete die Auswärtsfahrt nach Hannover für den Fanclub doppelt bitter: Neben der 1:4-Pleite des FC quittierte in der niedersächsischen Landeshauptstadt auch „Matthes“ aufgrund eines Kühlproblems vorläufig seinen Dienst.

 

Heute wieder einsatzbereit ging es also am 30. Oktober 2012 zum DFB-Pokalspiel nach Worms. Die Kartennachfrage innerhalb des Fanclubs verlief nicht nur aufgrund der frühen Abfahrtszeit (13:00 Uhr) äußerst schleppend, wahrscheinlich haben die gezeigten Leistungen der Geißböcke bei Auswärtsspielen mit dazu beigetragen. Unser Glück - fünf Karten in Verbindung mit der Busfahrt wurden kurzfristig öffentlich angeboten. Mit von der Partie waren neben zwanzig Mitgliedern des Fanclubs "Kölsche Mythos" jetzt auch zwei Sülztalböcke aus Immekeppel, Patrick Döpper und ich, sowie zwei weitere Gäste.

 

Treffpunkt war der Parkplatz der Endhaltestelle Linie 1 in Köln-Weiden. Ursprünglich wollte ich mit der Straßenbahn Linie 1 ab Bensberg anreisen, Patrick hatte sich aber (zum Glück) bereit erklärt, mit seinem Firmenauto den Treffpunkt direkt anzusteuern. Dazu später mehr. Für die Tour-Anmeldung zeichnet Wolfgang Schiefer verantwortlich - die Fahrt kostete 24 EUR zuzüglich 15 EUR für die Stehplatzkarte. Bereits in der schriftlichen Anmeldebestätigung findet man den Hinweis, dass das Mitführen von Pyrotechnik nicht erwünscht ist. Dies geschehe bereits seit 2010, sagt Wolfgang, um negative Schlagzeilen und/oder finanziellen Schaden vom 1. FC Köln und dem Fanclub abzuwenden. "Hoffentlich gibt es keine Verlängerung" so Wolfgang, "die Rückfahrt erfolgt direkt nach dem Spiel, so gegen Mitternacht werden wir wieder zurück in Köln sein."

 

Um 13:30 Uhr geht es endlich los. "Matthes" ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Vorne und hinten im Bus sitzen jeweils Mitglieder des Fanclubs "Kölsche Mythos", am hinteren Ein- und Ausstieg haben wir uns breit gemacht. Patrick räumt erst mal den Fenstervorhang zur Seite, der sich selbständig gemacht hat und verloren auf seinem Sitzplatz liegt. Leckeres kühles Kölsch ist reichlich vorhanden. Michael Bartz, Kassenwart des Clubs, teilt während der Fahrt die Eintrittskarten aus. Auf der Fahrt, die durch mehrere Pausen unterbrochen wird, hat man Zeit, über einiges nachzudenken, zu philosophieren und zu diskutieren.

 

Die DFL meint es in dieser Saison bisher nicht gut mit dem 1. FC Köln - in den 18 Spielen vor der Winterpause hat der FC insgesamt achtmal am Freitagabend, viermal am Montagabend und je einmal am Dienstag- und Donnerstagabend gespielt. Die Spiele, die der FC am Wochenende austragen durfte, können hingegen an einer Hand abgezählt werden: Es sind ganze vier! Ein Graus für jeden FC-Fan! Auch am letzten Spieltag vor der Winterpause muss der FC wieder an einem Freitag ran. Und in der Woche darauf tritt der FC noch am Dienstag oder Mittwoch im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart an.

 

Als nicht "aktiver" Fan fragt man sich, wer als "normal Sterblicher" so eine Tour überhaupt mitmachen kann.Patrick ist selbständig und kann sich seine Zeit frei einteilen, wohlwissend, nacharbeiten zu müssen. Für mich ist es die erste Tour als Vor-Ruheständler, von daher also auch bei mir keine Zeitprobleme. Oliver, ehemaliger Polizist ist einer der mitfahrenden Gäste. Er hat in seiner aktiven Polizeizeit regelmäßig während Fußballeinsätzen Dienst geleistet und kennt die Einstellung mancher Ordnungskräfte. Für das Pokalspiel und den folgenden Tag hat er sich extra Urlaub genommen. Peter, der andere Gast, 61 Jahre alt, ist Hobby-Schiedsrichter und derzeit beruflich frei gestellt. Seit seiner Freistellung besucht er fast jedes Auswärtsspiel der Geißböcke. Es ist schon bewundernswert, wie viele aktive Fans aufgrund der unsäglichen Spielansetzungen regelmäßig Auswärtsspiele besuchen, unabhängig von ihrer Vereinszugehörigkeit.

 

Meine Ehefrau meint, ich höre nicht mehr besonders gut. Alles Blödsinn. Viele stöhnen über die laute Musik im Bus, mich stört sie aber nicht. Nur bei einem Lied mit irgendetwas über Hooligans war mein Sinnesorgan leicht überfordert. Wir sind jetzt im Hunsrück, das Wetter verheißt nichts Gutes. Nebel, Nieselregen.

 

Gegen 17:00 Uhr verlassen wir die A61 und kommen in der Kaiserstadt Worms an. Unser Busfahrer steuert zielsicher die EWR-Arena an der Alzeyer Str. 131 an. Aber nicht jeder Reisebus, auf dem oben groß der Schriftzug 1. FC Köln prangt, muss zwangsläufig auch der offizielle FC-Mannschaftsbus sein. Das war den Ordnungskräften aber erst kurz vor der Einfahrt in den Stadionbereich klar, als sie unsere Mitfahrerinnen und Mitfahrer im Bus erkannten. Also langsam wieder rückwärts zurück. Folge: Ein interessantes und lustiges Verkehrschaos.

Der Gästeeingang befindet sich an einer Nebenstraße. Oliver begrüßt einen ehemaligen Polizei-Kollegen, mit dem er seinerzeit in Rheinland-Pfalz gemeinsam die Polizei-Ausbildung absolviert hat. Peter, unser Hobby-Schiedsrichter ist weg. Obwohl er eine gültige Eintrittskarte besitzt, versucht er, noch eine kostenfreie Schiedsrichterkarte zu bekommen. Nach dreimaligem Kartentausch wird er am Ende auf der überdachten Tribüne sitzen.

 

Nur kurz etwas über den Spielverlauf (der regt mich eigentlich immer noch auf): Die Mannschaft von Holger Stanislawski war zwar von Beginn an um Spielkontrolle bemüht, traf aber auf einen Gegner, der gewillt war, wieder für eine Überraschung zu sorgen. Nicht umsonst hatten die Wormaten Hertha BSC Berlin aus dem Pokal gekegelt. Wie so oft scheiterte der FC bei dem Versuch, eine tief stehende Mannschaft auszuspielen. Ballverschleppung statt Umschalt-Offensive war die Devise. In der Halbzeit wurden im Block nebenan die Vorbereitungen zum ersten FC-Pyro-Feuerwerk dieser Saison getroffen.

 

Es ist schon interessant mit anzuschauen, wie viel kriminelle Energie kleine Kinder und Jugendliche an den Tag legen, um bei Straftaten dieser Art nicht ermittelt werden zu können. Das gleiche gilt für das gesamte Umfeld im Block, die diese Straftäter durch z.B. große Stadionfahnen überdecken und damit die Vor- und Nachbereitungen aktiv unterstützen. Wer dachte, die Kölner Profis würden in der zweiten Halbzeit ihre konditionelle Überlegenheit ausspielen, sah sich erneut getäuscht. Es waren die Wormaten, die weiterhin engagierter zu Werke gingen und aufopferungsvoll kämpften, grätschten, rannten. Am Ende war es ein glücklicher Sieg für den Favoriten in einer Partie, die genauso gut der Underdog für sich hätte entscheiden können, sei es in der regulären Spielzeit oder der Verlängerung.

Egal - Auswärtssieg und glücklich weiter im Pokal !

Alle sind pünktlich am Bus - neben uns bringt eine große Polizei-Eskorte die Kinder und Jugendlichen aus dem FC-Pyro-Block zurück zu ihrem Bus. War ja auch schon dunkel, hätten sie ja sonst vielleicht auch nicht mehr gefunden. Ein Polizei Motorrad weist uns den Weg auf die Autobahn. Nach nur einer Pause und immer noch kühlem Kölsch sind wir statt Mitternacht erst um 0:46 Uhr in Köln. Die letzte Straßenbahn Richtung Bensberg hat die Station pünktlich um 0:45 Uhr verlassen. Ohne Patrick und sein Firmenauto hätte ich jetzt ganz dumm dar gestanden. Peter, unser Hobby-Schiedsrichter erwischt noch den letzten Zug Richtung Düren. Oliver muss nach Wuppertal, der letzte Zug fährt bereits um 23:50 ab Hbf. Köln. Zeitlich von hier nicht mehr zu erreichen. Wer aber Patrick kennt, kennt auch seine Hilfsbereitschaft und logistischen Fähigkeiten.

Oliver fährt natürlich mit uns. Noch während der Fahrt lädt Patrick sein Handy auf, weiß, das der Zug nach Wuppertal erst um 00:10 Uhr im Bahnhof Opladen eintrifft. Er schließt sein Navy an, sucht den Bahnhof und gibt die Route ein, dass alles bei Tempo 160. Perfekt - ich weiß aber nicht, ob ich mir das nüchtern noch einmal antue! Aber – am Ende vierfaches Pec die Autobahnauffahrt Richtung Köln-Nord ist gesperrt, drei rote Ampeln in Opladen (von denen die letzte überfahren wird), verhindern, dass Oliver nur noch die Rücklichter seines Zuges sieht. Zum Glück wird ihn ein Bekannter hier in Opladen abholen. Wie ich Patrick kenne, wäre ansonsten diese Nacht noch eine Stadtrundfahrt in Wuppertal angesagt.

 

Trotzdem - insgesamt alles gut. Auf zum nächsten Pokalspiel nach Stuttgart!
Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin !!!


(in Anlehnung an Manuel Andrack`s Fußballbuch "Meine Saison mit dem FC")

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